FAQ

1. WAS IST GEPLANT?

Ein lebendiger Ort, an dem alle willkommen sind – das ist unsere Vision für einen neuen Karstadt am Hermannplatz. Mit dem Projekt planen wir nicht nur ein neues Galeria Warenhaus am Hermannplatz – unsere Vision ist ganzheitlich und gliedert sich in vier Bereiche:

1) Das Fragment (Baujahr 1929)

Das historische Fragment ist die einzige original erhaltene Struktur des ursprünglichen Gebäudes. Diesen Teil wollen wir denkmalgerecht sanieren und modernisieren und zu 100% dem Gemeinwohl widmen. Vorgesehene Nutzungen richten sich an Vereine, Initiativen, Familien, Einrichtungen für Bildung oder Soziales. Wir arbeiten schon konkret mit dem lokalen Kita-Träger “Sprache Verbindet” an einer neuen Kita in den oberen Etage dieses Fragments.

2) Das Karstadt Gebäude

Im Mittelpunkt des Projektes steht ein neues Galeria Warenhaus, in den unteren Geschossen des in Anlehnung an das historische Gebäude wiederaufgebaute Warenhaus-Gebäude. Mit dem Warenhaus, Büros und einer öffentlichen Dachterrasse mit Gastronomie, Kunst und Kultur, soll es wieder zu einem attraktiven Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens im Kiez werden.

3) Wohnen

Der gründerzeitliche Altbau an der Hasenheide (Baujahr 1911) wird saniert und mit 2 Neubauriegeln ergänzt, um über 5,000m² bezahlbare Wohnungen für die degewo zu realisieren.

4) Die Gewerbehöfe

Auf der Fläche hinter dem aktuellen Karstadt-Gebäude werden neue Gewerbehöfe in einer ganz besonderen Art und Weise entwickelt: unter dem Moto “Form Follows Availability” werden Bestandsbauteile in der neuen Architektur wiederverwendet. Dadurch wird den ökologischen Fußabdruck des Projektes weiter minimiert und eine neue Re-Use Ästhetik realisiert. Dabei wird das Parkhaus auch nicht abgerissen sondern innovativ umgebaut um neue flexible Arbeits- und Lebensräume zu schaffen.

2. WAS IST DAS ZIEL DES PROJEKTS? AN WEN RICHTET SICH DAS ANGEBOT?

Wir möchten der Stadt und den Menschen zurückgeben, was das Gebäude einmal für den Kiez war: ein Ort zum Leben und Wohnen, an dem man sich gerne trifft und aufhält, etwas einkauft, Essen geht, einen Kaffee trinkt oder auch einfach nur verweilt. Ein lebendiger Ort für alle! Die gemischt genutzte Immobilie wird in erster Linie die Interessen und den Bedarf der Kreuzberger*innen und Neuköllner*innen abdecken.

Wir wollen mit den Anwohner*innen, lokalen Gewerbetreibenden und allen Interessierten ins Gespräch kommen, um sie vollumfänglich in die Konzeption einzubinden und eine lebendige Umsetzung der Berliner Leitlinien für Bürgerbeteiligung zu erreichen.

3. WELCHE NUTZUNGEN SIND VORGESEHEN?

Unser Ziel ist es, einen neuen Karstadt am Hermannplatz, der in ein gesellschaftlich lebendiges Umfeld eingebettet ist und wieder zu einem attraktiven Ort für Anwohner*innen und Besucher*innen wird.

  • Eine 3.500 m² große, öffentliche Dachterrasse mit Gastronomie, Kunst & Kultur lädt zum Verweilen ein und bietet einen grandiosen Blick über Kreuzberg und Neukölln.
  • Im historischen Fragment von 1929, dem einzigen original erhaltenen Gebäudeteil, wollen wir 3.600 m² neue Flächen für das Gemeinwohl, also für Vereine, Initiativen, Familien, Bildung, Soziales und Ärzte schaffen.
  • 5000 m² für neue bezahlbare Wohnungen für die degewo
  • Mit dem Neubau sichern wir bestehende Arbeitsplätze und schaffen zusätzlich mindestens 2.000 neue Arbeitsplätze.
  • Mit 700 neuen Fahrradstellplätzen unterstützen wir die Ziele der Verkehrswende in Berlin und machen erste Schritte innerhalb eines umfangreichen Mobilitätskonzeptes.
  • In den Gewerbehöfen (auf der Fläche hinter dem Karstadt-Gebäude: heute Parkhaus) möchten wir eine ausgewogene Berliner Nutzungsmischung (u.a. Gewerbe, Mobilität und Grünanlagen) konkretisieren.

4. WARUM WIRD DIE HISTORISCHE ARCHITEKTUR GEWÄHLT?

Derzeit bildet das Karstadt-Gebäude eine unauffällige Warenhaus-Architektur ohne Erlebnisqualität ab. Mit dem historischen Vorbild nutzen wir die einmalige Chance, der Stadt ein Stück ihrer Identität zurückzugeben. Diese ist für die Zukunft absolut notwendig.

Das ursprüngliche Kaufhaus besitzt trotz seiner Zerstörung eine anhaltende Wirkung auf den Ort. Bis heute ist die Abwesenheit der markanten Fassade am Hermannplatz als städtebauliche Fehlstelle spürbar. Die Nachkriegsbauten konnten diese gefühlte Lücke nie schließen, obwohl auch sie sich in ihrer Logik und Struktur immer dem Ursprungsgebäude anzunähern versucht haben. Der alte Entwurf hatte eine Präsenz, die sich in den Ort und das kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat.

Die Qualität des historischen Baus basiert auf der ikonographischen Architektursprache, die durch die Verarbeitung hochwertiger Materialien und dem bewussten Arbeiten mit Licht und Raum entsteht. Das Kaufhaus zeigt eindrucksvoll, dass die Inszenierung von Licht, Raum, Material und Handwerk in der heutigen Zeit noch genauso relevant ist wie vor über hundert Jahren. Durch die drei Lichthöfe wird das Gebäude ideal mit Tageslicht durchflutet und ermöglicht dadurch eine Vielzahl an Nutzungen. Auch die vertikale Gliederung der Fassade bietet eine optimale Planung der Geschosshöhen, um auch hier flexible Nutzungen nachhaltig zu gewährleisten, da aufwändige Umbauarbeiten überflüssig werden.

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes ist eine wichtige Voraussetzung für den Umgang mit dem Originalbestand. Der Ansatz von David Chipperfield Architects ist, das stadträumliche Volumen und die architektonische Primärstruktur wiederherzustellen. Diese Vorgehensweise würdigt das historische Denkmal und erkennt sowohl seine Zerstörung als auch seine anschließende Wiederentdeckung als wichtige Aspekte seiner Geschichte an.

5. WIRD AM HERMANNPLATZ EINE SHOPPING-MALL ENTSTEHEN?

Nein. Es wird weder eine »Shopping-Mall« noch eine Ansammlung an Handelsketten am Hermannplatz geben. Dieses Konzept ist nicht zeitgemäß und deckt nicht die Bedürfnisse der Anwohner*innen. Generell wird sich das bestehende Angebot im Einzelhandel nicht ändern. Weiterhin soll die Nahversorgung mit Karstadt und lokalen Dienstleistungen ein zentraler Bestandteil bleiben.

6. WAS PASSIERT MIT KARSTADT UND DEN MITARBEITER*INNEN?

Unser Ziel ist es, die Arbeitsplätze der Karstadt-Mitarbeiter*innen in der Zeit des Umbaus zu sichern und ihnen geeignete Übergangslösungen anzubieten. Dazu befinden wir uns bereits in Gesprächen mit dem Betriebsrat. Karstadt soll auch nach dem Umbau weiterhin zentraler Bestandteil des Gebäudes bleiben und gestärkt werden. Weitere Gewerbeflächen sollen 2.000 neue Arbeitsplätze in den Kiez bringen.

7. WELCHE AUSWIRKUNGEN HAT DAS PROJEKT AUF DEN KIEZ?

Größere Veränderungen auf den Kiez soll es nur bezüglich des Erscheinungsbildes des Gebäudes sowie des erweiterten Angebotes geben. Nahversorgung, Einzelhandel und insbesondere Karstadt bleiben zentraler Bestandteil des Hermannplatzes. Ein Zuwachs an Einzelhandelsflächen ist nicht geplant. Mit dem Projekt wollen wir dringend benötigte Flächen für soziale und kulturelle Einrichtungen sowie geförderten Wohnraum bereitstellen. Durch verschiedene öffentliche Nutzungen soll ein Anziehungspunkt für die Bewohner*innen und Besucher*innen des Kiezes entstehen. Darüber hinaus bietet sich die Chance für Anwohner*innen, Gesellschaft und Politik, den Hermannplatz zu einem verkehrsberuhigten Stadtplatz mit hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln und so zur nachhaltigen Mobilitätswende in Berlin beizutragen. Das unterstützen wir.

8. WIE WURDE DER DENKMALSCHUTZ IN DEN PLANUNGEN BERÜCKSICHTIGT?

Der Denkmalschutz ist uns sehr wichtig. Mit David Chipperfield Architects haben wir ein Architekturbüro für das Projekt begeistern können, das über viel Erfahrung beim Thema Denkmalschutz verfügt und sehr behutsam vorgeht.

Der denkmalgeschützte Bestand von 1929 an der Ecke Hermannplatz und Hasenheide bleibt erhalten und wird durch den Neubau in Anlehnung an das historische Originalgebäude ergänzt und eingebunden.

Wir sind auf Bezirksebene mit der Denkmalschutzbehörde und auf Landesebene mit dem Landesdenkmalamt in laufender Abstimmung. Nach mehreren Arbeitsterminen Ende 2019 haben wir mit dem Landesdenkmalamt eine grundsätzliche Einigung über den Umgang mit dem Denkmal gefunden: das historische Fragment bleibt erhalten, und das aktuelle Kaufhaus am Hermannplatz wird abgerissen, um den Neubau des historischen Gebäudes zu ermöglichen.

9. WELCHEN EINFLUSS HAT DAS PROJEKT AUF DIE VERKEHRSSITUATION AM HERMANNPLATZ?

Mit unserer Vision für einen zukunftsfähigen Karstadt am Hermannplatz haben wir in einem ganzheitlichen Ansatz das zukunftsweisende Mobilitätskonzept »Hermann & Henriette« als Angebot und Inspiration für Anwohner*innen, Gesellschaft und Politik vorgelegt.

Ziel ist es, die Lebens- und Aufenthaltsqualität rund um den Platz zu erhöhen. Das Konzept schlägt einen autofreien Platz vor, auf dem das Gehen, Radfahren und der ÖPNV im Mittelpunkt stehen, Park- und Logistikflächen werden in unterirdische Geschosse verlagert. Auch Sharing-Dienste werden zentraler Bestandteil des Konzepts. So soll der Karstadt am Hermannplatz ein Musterbeispiel für die Verkehrswende Berlins werden.

Mit der Einrichtung einer Fahrradstraße, einer Fahrrad-Service-Station sowie von Stellplätzen für Lastenräder sind wir bereits erste Schritte gegangen.

Während der Bauphase ermöglicht uns die Größe des Baugrundstückes eine effiziente Baustellenlogistik, die die Auswirkungen auf den Kiez und die Verkehrssituation minimieren. Hierzu stehen wir u.a. mit der BVG in einem konstruktiven Austausch.

10. WAS IST DER AKTUELLE STAND DES PROJEKTS UND WIE SIEHT DIE PLANUNG AUS?

Anfang 2019 haben wir einen engen Dialog mit den Anwohner*innen, lokalen Gewerbetreibenden und Besucher*innen begonnen und laden alle dazu ein über diese Website, per E-Mail, die sozialen Medien oder direkt vor Ort ins Gespräch zu kommen.

Perspektivisch unterstützen wir ein umfassendes Bürgerbeteiligungsverfahren, bei dem sich Anwohner*innen aktiv an der Gestaltung des Projekts beteiligen können. Für ein solches Verfahren benötigen wir die Unterstützung des Bezirks Kreuzberg. SIGNA als projektverantwortendes Unternehmen möchte alle Anwohner*innen darin bestärken, an einem solchen Verfahren teilzunehmen – denn es bietet eine einmalige Chance, einen bedeutenden Teil ihres Kiezes aktiv mitzugestalten.

11. WER FINANZIERT UND BETREIBT DIESES PROJEKT?

Eigentümer des Einzelhandelsunternehmens Karstadt und des Gebäudes am Hermannplatz ist SIGNA. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gemacht, Karstadt am Hermannplatz zukunftssicher aufzustellen und das Gebäude zu einem lebendigen Ort für den Kiez zu gestalten. Hierfür hat das Unternehmen die notwendige Expertise. Das Unternehmen entwickelt und managt ein umfassendes Portfolio an Immobilienprojekten in der DACH-Region und in Italien.

12. WIE KANN ICH AM PROJEKT MITWIRKEN?

Jede/r interessierte Bürger*in hat die Möglichkeit, mit dem Projektteam in Kontakt zu treten: Über die sozialen Medien auf Facebook, Twitter oder Instagram, per E-Mail oder auch vor Ort stehen wir für offene Gespräche zur Verfügung.

SIGNA begrüßt die vom Senat veröffentlichten »Leitlinien für Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern«. Diese Leitlinien sehen ganz klar vor, dass eine Beteiligung nicht alleine vom Vorhabenträger organisiert werden soll. Aus diesem Grund organisiert SIGNA keine Beteiligung selbst, sondern lädt von Anfang an die Bezirke ein, gemeinsam ein Beteiligungsverfahren aktiv mitzugestalten

13. WELCHE AUSWIRKUNGEN HAT DIE CORONA-KRISE AUF DAS PROJEKT?

Die Corona-Krise war und ist für uns alle eine Ausnahmesituation. Sie hat zudem verdeutlicht, welche Bedeutung ein zentraler Nahversorger wie Karstadt am Hermannplatz für die Menschen im Kiez hat.

Wir halten an unseren Plänen und Angeboten fest, mit denen wir Karstadt am Hermannplatz wieder zu einem wettbewerbsfähigen Warenhaus machen wollen.

14. WELCHE BAUMATERIALIEN SOLLEN VERWENDET WERDEN?

Das neue Karstadt Gebäude am Hermannplatz entsteht ohne Abriss des aktuellen Gebäudes. Das bestehende Rohbauskelett wird erhalten, ertüchtigt und für eine Aufstockung in Holzbauweise vorbereitet. Die neue Fassade beabsichtigen wir aus lokalen und/oder recycleten Ziegeln zu bauen.
Insgesamt werden ca. 35.500 m³ Beton und 3.000 Tonnen Stahl im Bestand erhalten und nicht abgerissen. Für die Aufstockung des Bestandes werden ca. 10.000m³ Holz eingesetzt. Diese Bauweise wird mit der obigen Animation veranschaulicht.

Die Entkernung des aktuellen Karstadt Gebäudes wird in einem selektiven Rückbauprozess stattfinden, der gewährleisten soll, dass alle Bauteile, die gewonnen werden können, auch wie geplant in den Gewerbehöfen wiederverwendet werden können. Siehe dazu der Punkt weiter unten zu dem Re-Use Wettbewerb und das Konzept von dem Büro Lendager. Der gründerzeitliche Altbau wird für eine zukünftige Wohnnutzung denkmalgerecht saniert. Das historische Fragment wird für zukünftige gemeinwohlorientierte Nutzungen denkmalgerecht saniert.

Zusätzlich zu dem Erhalt eines Großteils der bestehenden Gebäudesubstanz aus Stahlbeton planen wir einen massiven Einsatz von Holz, weil Holz effizient CO2 speichert, und sich als leichtes Baumaterial für unsere Aufstockungen gut eignet.

Den Wohnungsneubau beabsichtigen wir aus Holzfertigteilen zu bauen.

Die Gewerbehöfe werden unter dem Motto „Form Follows Availability“ mit dem Büro Lendager aus Kopenhagen entwickelt, das den Re-Use Wettbewerb im März 2022 gewonnen hat. Das Konzept von Lendager sieht eine ganzheitliche Weiternutzung und Wiederverwendung von Baumaterialien und Bauteilen in den zukünftigen Gewerbehöfen vor.

15. WAS PASSIERT MIT DEM PARKHAUS?

Das oberirdische Parkhaus an der Urbanstraße bleibt im Wesentlichen erhalten. Um neue qualitätsvolle Räume zu schaffen, werden durch das Entfernen jeder zweiten Geschossecke die Raumhöhe und Belichtung maximiert. Die dadurch gewonnenen Stahlbetonträger werden für die neue Gebäudefassade an der Urbanstraße wiederverwendet. Die Betondecken selbst werden sorgfältig und nach Maß herausgeschnitten um als neue Decken für die Neubauten im Hofbereich zu fungieren.

Die Neubauten im Bereich der Gewerbehöfe werden mit einem Rohbau aus wiederverwendeten Stahlbetonplatten aus dem Parkhaus und aus Holz errichtet. Die Fassaden werden aus wiederverwendeten Materialien aus dem aktuellen Karstadt Gebäude und aus den Parkhausträgern errichtet.

15. WAS BLEIBT ERHALTEN, WAS WIRD ABGERISSEN?

Wir planen 76% des Stahlbetonskeletts des aktuellen Warenhausgebäudes zu erhalten.

Für das Parkhaus an der Urbanstraße planen wir eine fast 100% Weiter- / Wiedernutzung der Bauteile und Baumaterialien.

Für den hinteren Bereich, wo die neue Tiefgarage entstehen soll, planen wir einen Abriss der aktuellen Kellergeschosse, und eine neue Baugrube.