Die Geschichte von Karstadt am Hermannplatz

In seinen frühen Anfangsjahren war das Karstadt-Gebäude bei den Berliner*innen sehr beliebt. Es war ein Ort des Einkaufens, des Erlebens, des Zusammenseins. Ein Ort, der jedem etwas bieten konnte. Wir möchten dem Gebäude helfen, wieder zu seinem alten Glanz zurückzufinden. Unsere Vision für das neue Karstadt-Gebäude knüpft an die Gestaltung der 1920er-Jahre an, als das Warenhaus zu einem zentralen Ort des öffentlichen Berliner Lebens wurde. So gehört der Berliner Hermannplatz noch heute zu einem der bekanntesten Plätze Berlins.

DIE ENTSTEHUNG DES HERMANNPLATZES

Im Gegensatz zu üblichen Plätzen, die als Zentrum eines Siedlungsbereiches entstanden, entwickelte sich der Hermannplatz aus zwei sich treffenden Kreuzungen. Bereits 1534 wurde hier das erste Wirtshaus gebaut. 1737 entstand dort das Wirtshaus »Rollkrug«, das Mitte des 18. Jahrhunderts Namensgeber für den so genannten »Platz am Rollkrug« wurde und bis zur Gründerzeit das einzige Gebäude am Hermannplatz war. Später kamen weitere Gasthäuser, eine Apotheke, ein Steuerhaus, ein Accisehaus (Zollhaus) und Mietshäuser dazu.

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Im Jahr 1885 erhielt der Hermannplatz seinen heutigen Namen. Damals trennte er Berlin von dem Vorort Rixdorf. Weil »Rixdorf« jedoch zu provinziell klang, wurde der Ort 1912 in »Neukölln« umbenannt und 1920 eingemeindet. Da der Hermannplatz die einzige Verbindung zwischen den beiden Bezirken war, herrschte vor allem morgens und abends ein reges Verkehrsaufkommen.

1907 wurde der Rollkrug abgerissen, um dort ein Geschäftshaus mit dem Namen »Neuer Rollkrug« zu erschaffen. Es ist bis heute erhalten. Nachdem Mitte der 1920er Jahre die Wohngebäude auf der Westseite des Platzes abgerissen wurden, entstand an ihrer Stelle der U-Bahnhof Hermannplatz.

AUFTRITT KARSTADT

1926 wurde ein 12.500 m2 großes Baugrundstück am Hermannplatz frei. Ein Jahr später wurde mit den Bauarbeiten für das neue Karstadt Gebäude begonnen. Die zentrale Lage im Berliner Südosten und die Gegebenheit eines Kreuzungsbahnhofes boten ideale Voraussetzungen für ein Warenhaus.

DER BAUBEGINN

Nach nur 16 Monaten war der Bau, trotz eines harten Winters und eines Brandes, fertiggestellt. Dem Architekten, Philipp Schaefer, diente die amerikanische Hochhausarchitektur des Art déco als Vorbild für das Karstadt-Gebäude. Es wurde mit einem Stahlbetonskelettbau und einer Muschelkalkfassade in vertikaler Gliederung errichtet und überragte den Hermannplatz um 32 Meter. Die Gliederung der Straßenfront erinnerte an den gotischen Kirchenbaustil.

MEHR INFORMATIONEN – Kiezgestein Online Teil I

DIE GOLDENEN ZWANZIGER

Am Ende der »Roaring Twenties« wurde der Karstadt am Hermannplatz zum Symbol für die neue Lebensart. Mit einer Verkaufsfläche von über 70.000 m² auf neun Geschossen, war es das größte Warenhaus Europas. Es gab Badestätten, Frisiersalons, eine Sporthalle, Restaurants und Kulturveranstaltungen. Von der begrünten Dachterrasse, auf der täglich eine Musikkapelle zum Tanz aufspielte, blickte man über ganz Berlin. Das lockte Menschen von nah und fern.

MEHR INFORMATIONEN – Kiezgestein Online Teil II

ZERSTÖRUNG IM 2. WELTKRIEG

Gebeutelt von der Wirtschaftskrise mussten in den 30er Jahren mehrere Etagen geschlossen werden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden alle jüdischen Beschäftigten entlassen. Im April 1945 fiel das Karstadt-Gebäude einer perfiden Aktion der Nazis zum Opfer: Um den anrückenden sowjetischen Truppen nichts zu überlassen, sprengte die SS das Gebäude. Übrig blieben Mauerreste, Trümmer und Schutt.

MEHR INFORMATIONEN – Kiezgestein Online Teil III

WIEDERAUFBAU DES
KARSTADT-GEBÄUDES

1950 erwachte Karstadt wieder zu neuem Leben – wenn auch nicht zu altem Glanz. Trotz des Einsatzes hunderter Arbeitskräfte dauerten die Aufräumarbeiten der Karstadt-Ruine fast ein ganzes Jahr. 15.000 m³ Trümmerschutt mussten abtransportiert werden. An der Westseite ist ein Teil der historischen Fassade zu erkennen und bezeugt die lebhafte Geschichte, welche die Mauern einst umgab.

MEHR INFORMATIONEN – Kiezgestein Online Teil IV

Wiedereröffnung und Erweiterung

Karstadt verfügt wieder über mehr als 5.000 m² Verkaufsfläche. Schon bald folgt die Erweiterung einer provisorischen Schaufensterfront entlang des Hermannplatzes. Später verlängert man diese Front über die Ecke bis zur Urbanstraße und das Grundstück wird durch einen Kundenparkplatz erweitert. 1959 wird die Verkaufsfläche im Erdgeschoss entschieden vergrößert. Im neu ausgebauten Untergeschoss entsteht eine großzügige Selbstbedienungsabteilung für Lebensmittel.

TRENNUNG VON OST UND WEST

Im August 1961 werden Straßen und Schienenwege in den Westen unterbrochen. Ost und West-Berlin werden durch den Bau der Mauer getrennt. Das Warenhaus am Hermannplatz befindet sich plötzlich nicht mehr in der Mitte Berlins, sondern im Westen der Stadt. Kund*innen aus dem Osten haben zu Karstadt keinen Zugang mehr und der Umsatz des Unternehmens verringert sich entsprechend.

MAUERFALL

1989 fällt die Berliner Mauer! Der Ansturm auf Karstadt ist groß. Für Kunden aus Ost-Berlin und dem gesamten Umland hat das Warenhaus eine historische Bedeutung. Die ereignisreiche Zeit der Wiedervereinigung und eine Übernahme des Hertie-Konzerns durch Karstadt verzögert geplante Bauvorhaben um Jahre.

DER LETZTE GROSSE UMBAU

Dann endlich 1998 werden die Verkaufsflächen auf 31.500 m² vergrößert. Die betonverkleidete Fassade wird geöffnet und durch Glasfronten ersetzt. Das sorgt für mehr Licht in den Verkaufsetagen. 200 Millionen D-Mark an Baukosten fließen in eine neue Dachterrasse und ein neues Parkhaus mit rund 650 Stellplätzen. Wie damals gibt es wieder Gastronomie und größere Veranstaltungen – jedoch nicht mehr mit dem ursprünglichen Flair der 20er Jahre.